Zapping for Freedom #4 The Underdogs – Die kleinen Pioniere des Privatfernsehens

Shownotes

Studiogäste: u.a. Mike Carl, Wolfgang „Lance“ Lanzenberger,…

Neben Sat.1 und RTL - den noch heute bekannten privaten „Platzhirschen“ - tummelten sich in den ersten Jahren des Privatfernsehens auch viele kleinere Sender in den lokalen Kabelnetzen. Mit telweise nur geringsten finanziellen Mitteln mussten Sender wie musicbox, Tele 5 und Eureka TV neue, innovative Programmangebote schaffen, um Aufmerksamkeit zu generieren. Das Engagement war groß, der Erfolg nicht immer…

Moderator Mike Carl und Regisseur Wolfgang Lanzensberger erinnern sich bei „Zapping for Freedom“ an diese vergessenen Senderpioniere.

“Zapping for Freedom”. Ein FYEO Original.

Host:

Torben Struck

Mit/Gäste:

Mike Carl

Wolfgang Lanzenberger

Entwickelt von:

Torben Struck

Christoph Menardi

Recording und Schnitt:

Luka Feinweber

Sebastian Muxeneder

Sam Winter

Jakob Jarzina

Leitung Postproduktion:

Stephan Gossen

Produktionsleitung:

Melanie Graf

Produziert von:

Tommy Krappweis, Nico Krappweis und Tristan Lehmann

Gesamtleitung FYEO:

Luca Hirschfeld und Tristan Lehmann

„Zapping for Freedom“ ist ein FYEO Original von bumm film.

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Transkript anzeigen

00:00:02: Das war einfach eine geile Zeit.

00:00:04: Deswegen waren wir logischerweise die jugendlich frischeren Revolution, weil wir auch wussten das kriegen wir gar nicht hin!

00:00:11: In den achtziger Jahren wurde das Privatfernsehen in Deutschland geboren und Musikvideos gewann zunehmend an Bedeutung.

00:00:17: Doch bevor MTV in Deutschland über die Bildschirme flimmerte gab es bereits auf einem kleinen Sender in München Videoclips nahezu rund um die Uhr zu sehen – der Music Box.

00:00:27: Aus diesem Sender wurde später Telefon Und nur ein paar Kilometer weiter an einem Keller wurde der Grundstein gelegt für ProSieben.

00:00:33: Darüber sprechen wir in dieser Podcastfolge und meine Gäste haben diese Sender in den ersten Tagen begleitet, dem Moderator Mike Kahl und Wolfgang Glanzenberger, der dienstälteste Mitarbeiter von ProSieben.

00:00:45: Mein Name ist Torben Struck und hier ist Zapping vor Friedem.

00:00:58: Wer Musikfernsehen sagt, der meint fast ausschließlich MTV oder zumindest die Menschen, die in den Achtziger- und Neunzigerjahren aufgewachsen sind!

00:01:05: Der Sender startete und prägte wie kaum ein anderer eine Generation, und half bei der Etablierung der Pop-Kultur.

00:01:14: Der Witz?

00:01:15: In Deutschland war MTV gar nicht mal der erste Musiksender, der zu empfangen war – nämlich erst seit ... und anfangs auch nur in Englisch.

00:01:23: Denn im Kabelpilotprojekt in München versteckte sich bereits ... die Musicbox!

00:01:30: Und mit dabei Mike Karl gerade auf dem Weg vom Radio zum Privatfernsehen.

00:01:36: Da bin ich hin und habe mich beworben, ganz ordentlich zum Casting.

00:01:39: Und es ist ja schön aber wir brauchen gerade niemand!

00:01:45: Dann hab' ich mich dummerweise an diesem Tag gleich in eine Kollegin verguckt die da schon moderiert hat... ...und die Musicbox ist wenige Wochen später nach Berlin zur Funkausstellung gefahren wo sie sich präsentiert haben mit einem eigenen Stand, mit Bühne.. ..und ich bin dieser Freundin logischerweise nachgereist und saß also auch in Berlin.

00:02:04: Und nach einem halben Tag klingelt das Telefon, und Frau von Zeitlein war am Telefon die damalige Chefin.

00:02:09: Und sagte Mike ich hab gehört du bist in Berlin wegen... Wann kannst denn hier sein?

00:02:16: Äh halbe Stunde Ja ok stehst in der Stunde auf der Bühne!

00:02:21: Und ab da habe ich dann moderiert.

00:02:37: Dann gab es die Musiksendung Formel I vom WDR, zugegeben eine Erleuchtung.

00:02:42: Nischenformate mit Comedy-Elementen, das war Bananas, Ronny's Popshow, two in eighty, Tommy's Pop Show vor Sicht Musik mit Frank Zander und es war also noch rechtlich Platz für Musik jenseits von Schlager und Klassik im Fernsehen.

00:02:55: Und Musikclips als Programm zudem relativ günstig.

00:03:02: Im Musicbox war ja der Vorläufer, sagen wir mal ganz platt von MTV.

00:03:07: Wir haben einfach von einem großen Musikarchiv gelebt, von Musikvideos.

00:03:12: Die ja eine Länge haben vom Normaltrack hin bis zum Maxi-Version.

00:03:16: also es gab auch achtminütige Musikvides.

00:03:20: Du hast dich halt hingehockt.

00:03:21: hat das da ein Ordner.

00:03:23: damals gab's noch so was wie Lightsordner in dem sämtliche Clips aufgelistet waren und hast dadurch geguckt und hast ne Playlist geschrieben.

00:03:32: du hast genau gewusst ich brauch halt zwölf dreizehn Tracks für die Stunde.

00:03:37: Da hast du dir die Clips rausgesucht, die dir am besten gefallen oder die zu dem Sendungstitel passen.

00:03:43: Also wenn ihr da in der Sendung gemacht hast den, der ist um ... weiß ich nicht was.

00:03:46: Wenn der Psychologin da war, dann konntest du natürlich nicht survival laufen lassen die ganze Zeit!

00:03:52: Aber so hat man versucht gewisse Genres zu bedienen.

00:03:55: Gab ja auch Specialsendungen mittlerweile.

00:03:57: also Annette Hopfenmüller hat zwischendurch eine Rock-Sendung gemacht zum Beispiel.

00:04:00: Da liefen halt nur Undergroundrock und Locals von den Bands her Und so hast du deine Sendung zusammengestöpselt und dann hast du in der ersten Zeit dazwischen die Zeit mehr oder weniger mit Worten gefüllt.

00:04:14: Mit dem, was dir gerade eingefallen ist?

00:04:15: Weil wir hatten ja noch keine redaktionellen Inhalte so gesehen.

00:04:20: Du hast halt den klappen Text von der Platte gelesen zu der das Video gehörte.

00:04:25: Da standen Informationen über den Künstler drauf, über Werdegangen etc.

00:04:29: Pp falls es jemand Neues war, den man noch nicht kannte.

00:04:32: Du hast was über die Band erzählt Was du aus den einschlägigen Medien und Zeitungen wusstest.

00:04:36: Und jetzt sage ich Nicht Bravo Sondern da gab's auch damals schon bessere Geschichten Und alles was du so zusammentragen konntest Wahnsinnig.

00:04:44: viele der Künstlern Aus den damaligen Zeiten habe Ich selber interviewt Das heißt ich konnte auch ein bisschen aus dem Nähekästchen plaudern Was im Interview vielleicht nicht zu hören

00:04:53: war Zum Beispiel?

00:04:53: Ach,

00:04:56: jetzt mir fällt der Name eines Künstlers nicht mehr ein.

00:04:58: Aber ich habe einen dieser Discos da, das hab' ich interviewt.

00:05:02: Das wurde in kurzer drei Minuten fürs Radio.

00:05:06: Wir saßen aber eine Stunde zusammen Weil wir haben uns danach über Wagner unterhalten Und darüber dass wir beide auf die Wesendronklieder stehen Was man diesem Typ nie zugetraut hätten.

00:05:18: Und so was konntest du dann einfließen lassen?

00:05:20: als kleine Gemick Kleine Geschichten zwischendurch

00:05:25: Orientiert hatte sich der Sender damals an amerikanischen Vorbildern.

00:05:28: Das Blockbuilding mit Videoclips funktionierte hervorragend und die Musicbox war damit eines der ersten echten Spartenprogramme, mit Fokus auf Jugendlichen Publikum.

00:05:39: Im Zeitalter vor dem World Wide Web eine der besten Möglichkeiten um an gute Musik zu kommen.

00:05:45: Ein Großteil der Menschen in den Privatsendern waren damals Quereinsteiger.

00:05:49: Die öffentlich-rechtlichen bildeten Personal nur in begrenzten Maße aus Und der Markt war gar nicht vorbereitet auf die Menge an privaten Radio- und Fernsehsendern, die da aus dem Bodenschoss.

00:05:59: Die Sender brauchten Personal.

00:06:00: Und so wurde Mitte der achtziger Jahre fast alles rekrutiert, was Füße hatte und im Ansatz moderieren oder eine Platte auf dem Plattenteller legen

00:06:08: konnte.".

00:06:14: Wie muss man sich das damals vorstellen?

00:06:16: Wie viele Leute haben da gearbeitet in diesem Sender Music Box?

00:06:18: Wer hat das geführt?

00:06:19: Wer war mal mit dabei?

00:06:20: Boah, da muss ich jetzt aber ganz tief graben!

00:06:23: Also ... Ich würde mal raten... Die Music Box waren für mich nicht mehr als zwei-drei Leute die den Laden geführt haben War ja auch easy, es gab ja nichts Großartiges zu führen.

00:06:37: Das größte was du da führen musstest war wahrscheinlich die Buchhaltungsabteilung.

00:06:41: Ja klar und du hast aber selber das fand ich das irre bist hingegangen und hast dir selber rausgesucht welche Songs, welche Videoclips spielst dich jetzt?

00:06:50: Und nach welchen Kriterien hast du das entschieden je nachdem wie du drauf bist oder?

00:06:54: Damals größtenteils nach eigenem Gusto Natürlich auch nach Charts, das ist klar.

00:06:59: Du wusstest du musst einfach bei einer Stunde sagen wir mal vier Tracks sollten nach Möglichkeit irgendwo in den Top Ten gelistet sein weil sonst guckt es sich kein Mensch an.

00:07:08: Du machst ja schließlich nicht Programm für dich sondern Programm für die Leute draußen.

00:07:11: Du willst ja dass mehr und mehr Leute zuschauen.

00:07:15: Und dann wurde das ganze bei Tele-Fünf natürlich aufgeblasen.

00:07:18: da waren wir ein wesentlich größerer Apparat denn da gab's redaktionelle Inhalte einzelne Sendungen mit verschiedenen Themen Schwerpunkten.

00:07:26: Da wurde alles wesentlich größer.

00:07:45: An die Musicbox erinnern sich heute nur noch die wenigsten, an den Nachfolger die meisten schon – Tele-Fünf!

00:07:51: Herbert Kläuber und Silvio Berlusconi stiegen in den Sender ein.

00:07:55: Die Zielgruppe wurde erweitert.

00:07:56: aus der Musicbox sollte ein jugendorientiertes Vollprogramm werden.

00:08:01: Das bedeutete?

00:08:02: Die halbe Mannschaft der MusicBox wurde gleich mit übernommen Denn Musik und Videoclips prägten auch das Programm von Tele-fünff maßgeblich.

00:08:09: Der Sender war so etwas wie der Underdog Aus der Not eine Tugend, etwas rebellisch, jung und frisch.

00:08:15: Und ging am elften Januar in den Sender auf Sendung.

00:08:22: Erstmal gab es natürlich richtig Freude, weil wir gesagt haben, geil jetzt machen wir ein richtiges Fernsehen!

00:08:27: Jetzt geht's ab... Jetzt sind wir nicht nur Videoclip-Abspieler, Abspuler da gab sie auch so Wunschsendungen wo immer die gleichen zwanzig Clips gewünscht wurden Großsendungen, wo mittlerweile hunderte von Briefen kam.

00:08:41: und dann da saß ich wirklich ewig im Studio.

00:08:43: Und hab gesagt ja Peter grüßt Marina in Düsseldorf und solche Geschichten was man aus dem Radio adaptiert hatte.

00:08:52: und dann haben wir gesagt Boah jetzt gibt's Inhalte!

00:08:53: In dem gleichen Zug ging aber natürlich auch das große Gehacke los wie immer wenn nicht für jeden genug da ist weil jeder wollte dabei sein und ich konnte zum Beispiel bei besten Willen der Sendung wie Menschmädchen einfach nicht moderieren.

00:09:09: Die fiel schon mal weg, war blöd!

00:09:12: Vorher konnte ich alles machen und so wurde man dann langsam aber sicher in gewisse Fachbereiche reingesetzt wo man gesagt hat das kann er, dass kann der und das kann der.

00:09:23: Dann hatten wir ja auch plötzlich Menschen die sich Redakteur nannten die mehr zu sagen hatten als wir hivis vor der Kamera.

00:09:31: Und da war dann schon.

00:09:33: also da bin ich dann schon immer hoch gerannt Einmal im Monat ins Büro von Jochen Kröne, mit meinem Terminkalender in der Hand und hab gesagt, was mach ich denn nächste Woche?

00:09:44: Naja hier pass mal auf.

00:09:46: Da habe ich dich drin, da habe ich Dich... Wie, Dienstag am Donnerstag keine

00:09:50: Sendung?!

00:09:51: Ja, nee warte mal!

00:09:53: Doch die Annette ist krank, kannst du das mal übernehmen?

00:09:56: Die Rock-Sendung von der Annette und kannst du mal?

00:09:57: ja am Donnersdag könnenst du noch das machen.

00:10:00: Gut, dann stimmt's wieder.

00:10:03: Man musste das so ein bisschen kämpfen und das Ganze ... Ja ja,

00:10:05: da musstest du langsam zur Rampensau werden?

00:10:08: Wie würdest du damals ... Wir sind Ende der achtziger Jahre, Mitte der achziger Jahre.

00:10:12: Wie würdest du den Sender-Telefon beschreiben, dem Zeitgeist?

00:10:16: Das war eine große Familie.

00:10:18: Wir haben uns alle super gut verstanden.

00:10:20: Und wir haben uns auch schon so ein kleines bisschen berühmt gefühlt.

00:10:26: Weil jetzt hatten wir Autogrammkarten, jetzt waren wir ... Wenn wir auf die Straße rausgegangen sind, hat uns tatsächlich auch mal jemand erkannt und wir hatten noch so ein gewisses Konkurrenzempfinden gegenüber anderen.

00:10:40: Da war ja der Finger in der Garde.

00:10:42: Er hat einzelne RTL auch kinderschuhmäßig erst an teilweise in Luxemburg noch rumsitzend mit Formaten wo ich sagen muss also da ist unsere aerobik Sendung morgens eigentlich gar nicht so schlecht gegen das was die da machen.

00:10:57: Und das haben wir natürlich auch mit gekriegt und haben dementsprechend versucht Das richtig ernsthaft zu machen.

00:11:01: Man muss ja dazu wissen, das waren zwar die Anfänge des Privatfernsehens und Radius aber das waren ja alles.

00:11:07: keine Hillos von der Straße!

00:11:09: Das waren alles Leute, die ihren Job konnten – und gelernt haben bis auf die Moderatoren.

00:11:19: Neben den zahlreichen Musiksendungen flimmerten nun auch Serien-Spielfilme und vor allen Dingen Gameshows über den Bildschirm.

00:11:25: Am ersten Sendetag, dem Elften Januar, startete dann gleich die erste Folge von Ruckzuck damals noch mit Werner Schulze Erdel und später mit Jochen Bendl.

00:11:35: Der Anteil an Musikprogrammen bei Tele-Fünf betrug über thirty-fünf Prozent, Tanzhaus mit Freddy Kogel, Independent Music mit Daniel Kovac, Hard & Heavy mit Annette Hopfenmüller oder Offbeat mit Susanne Reimann.

00:11:48: Und für Pop bekam Jochen Bandl in Cannes die Auszeichnung Best International Music Programme.

00:11:54: Und scheinbar ganz aus dem sonstigen rebellischen jubeln fokussierten Programmschema gefallen – Bauerntheater!

00:12:04: Bei Tele-Fünf lief Bauerntheater, was sich übrigens erstaunlich großer Beliebteil erfreut hat aus gesellschafter Gründen.

00:12:13: Weil wir natürlich verschiedene Gesellschaften hatten die den ganzen Schuppen finanziert haben und die haben ihre Bedingungen gestellt und da gab es auch eine ganz klare Einteilung wer wie viel Anteil am Programm haben darf.

00:12:24: Und dann musst du das nehmen!

00:12:26: Okay aber wie habt ihr euch gefühlt?

00:12:28: Ich meine du sitzt in der Schellingstraße vierundvierzig Und gleich dahinter kommt das Bauerntheater.

00:12:36: So eine schräge Situation, oder?

00:12:37: Ja

00:12:38: in den zwei Stunden hat der Sender für uns dann nicht existiert.

00:12:42: Okay aber du hast eben was ganz Interessantes gesagt nämlich Du hast dann mitbekommen klar es gibt noch RTL Es gibt noch Sat-Eins.

00:12:49: Wie habt ihr euch selber gefühlt im Unterschied zu diesen anderen Sendern?

00:12:52: Naja wir kannten ja unseren Sender Im Gegensatz zu den Anderen.

00:12:56: Wir wussten dass wir ne recht kleine Truppe sind Aber eine sehr engagierte Truppe Und dass uns aber, was die Leistungen angeht einfach gewisse Grenzen gesetzt sind.

00:13:07: Dass wir weder einen korrespondenten Netz haben ein weltweites noch oft weiß ich welche Ressourcen zurückgreifen können und insofern mit relativ bescheidenem kleinen Handwerkszeug zugange gehen müssen.

00:13:18: deswegen war uns auch klar gegen die kann man nicht anstenken.

00:13:22: da stecken auch ganz andere finanzielle Mittel dahinter.

00:13:25: Aber wir haben uns so ein kleines bisschen als Rebell gefüllt, der dazwischendurch so ein bisschen anstinken kann.

00:13:33: Und wenn wir eine Meldung hatten die groß raus kam aber bei uns ne halbe Stunde vorher dran war dann hat man sich schon mal zugezwinkert.

00:13:43: Ja satt eins.

00:13:44: vor allen Dingen hat ja versucht seriös rüberzukommen vor allem eben durch eine gewisse Nachrichtenkapazität die wenig bedienen konnten.

00:13:53: deswegen waren wir logischerweise die jugendlich frischeren Revoluzzer, weil wir auch wussten das kriegen wir gar nicht hin.

00:14:02: Teil des Erfolgs bei den Jugendlichen sicher auch die zahllosen Zeichentrickserien wie Sabre Wider, He-Man, Ghostbusters oder um die Welt mit Willy Fock.

00:14:10: Tele-Fünf galt damals als so etwas wie die Experimentierstube des deutschen Privatfernsehens.

00:14:15: Mitten in der Stadt gelegen, in Fußreichweite zur Uni rekrutierte der Sender seine jungen innovativen und auch günstigen Mitarbeiter.

00:14:23: Es war eine alte Jugendstilwille im Hinterhof der legendären Schadingsstraße, in München.

00:14:28: Alle unter einem Dach.

00:14:30: Redaktion, Studiosarchiv, Schnittplätze und Regie!

00:14:34: Du hast natürlich mit dieser Politik der kurzen Wege einen riesengroßen Vorteil.

00:14:38: Klar du bist immer ganz dicht an den Leuten ran wenn du unten ... Ich hab jetzt mal überspitzt gesagt, wenn ich im Studio gerade eine Sendung moderiere und leier mein Text ab.

00:14:48: Danach kommt das Video ... Weiß ich ganz genau?

00:14:51: Ich habe jetzt vier Minuten fünfzig Zeit.

00:14:53: in denen kann ich hoch den ersten Stock gehen und kann mit Jochen Kröne schnell in Zwischengespräch führen.

00:14:57: Dann kannst du sagen, pass auf!

00:14:59: Du hast mich hier ein Clip rausgestrichen, den ich nicht senden soll.

00:15:01: Der ist aber wichtig, ich will den drin haben.

00:15:04: Und dann bist du wieder runter und hast weitergemacht.

00:15:07: Hast du hingekriegt an dem Clip?

00:15:09: Mal ja oder

00:15:10: nein?!

00:15:18: Ich würde sagen, damals hast du überhaupt noch improvisieren können müssen und dürfen.

00:15:24: Das hat ja dann irgendwann schlagartig aufgehört.

00:15:26: aber das ist auch genau das was letzten endes Ja, was die Lebendigkeit irgendwo ausmacht.

00:15:32: Dadurch ich hatte auch bei Hugo Iger und zum Beispiel würde ich nach wie vor meiner Hand dafür ins Feuer legen, dass neun-neinzig Prozent improvisiert waren!

00:15:40: Und das war genau das, was so ein Spaß gemacht hat weil du hast den Typen angeschaut und du hast ihm an deiner Nasenspitze angesehen.

00:15:45: da krieg ich gerade einen Gag die Wirbelsäule hoch ist knallt gleich ja?

00:15:51: Und genau deswegen habe ich das so gemocht.

00:15:53: Und es gibt heute noch ganz, ganz vereinzelt Moderatoren vor allen Dingen im Fernsehen.

00:15:59: Im Radio meine ich die das auch noch drauf haben.

00:16:01: Die sich das trauen!

00:16:03: Für alle die das vergessen haben Tele-Fünf war ja nun ein Vollprogramm und der Sender hatte deswegen auch eine Sportsendung.

00:16:10: Dummerweise aber auch einen Mangel an Sportrechten denn die kosteten Geld.

00:16:15: von Fußball Tennis Formel eins Und ähnlich populären Sportarten konnte Tele-Fünf nur träumen und so strahlte der Sender alles exotische aus, was ihm vor die Flinte kam.

00:16:24: Allen voran Sportarten aus den USA, denn diese kamen v.a.

00:16:28: bei den jungen Zuschauern gut an.

00:16:30: Baseball?

00:16:31: American Football?

00:16:32: Ja!

00:16:33: Der Super Bowl lief damals auf Tele-Viv und ganz beliebt Wrestling.

00:16:38: Wir hatten damals ... warum auch immer plötzlich die Rechte in die Five Handels übertragen?

00:16:45: oder war es Daytona?

00:16:46: ich weiß nicht mehr.

00:16:47: Auf jeden Fall ging das eine Sendung sechs Stunden lang die ganze Nacht durch und es war einfach kein Schwanz da, der diese Sendung moderieren wollte oder konnte.

00:16:56: Der einzige von dem man wusste dass er live in der Lage ist sich sechs Stunden über Wasser zu halten war ich.

00:17:01: also hat man mich da reingesetzt Und ich saß im Studio und hab mich von Live-Gast zu Live-gast gehangelt weil ich vom Motorsport absolut keine Ahnung habe.

00:17:13: Ich konnte weder mit den Namen noch sonst was anfangen.

00:17:16: Hat mich auch nicht interessiert, ehrlich gesagt.

00:17:18: Ich hatte aber keine Zeit mehr, mich vorher darüber einzulesen, sagen wir mal.

00:17:23: Also habe ich irgendwas vor mich hin gesabbelt?

00:17:26: Es war ja ohnehin von zehn Uhr nachts bis fünf Uhr morgens und hab gesagt okay, habt ihr einen nächsten Gast für mich!

00:17:34: Ja der ist grad auf dem Weg da kommt gleich... Und ich frag mich nicht wen die da alles angekart haben.

00:17:38: das war die Hölle.

00:17:40: Aber wir haben die Nacht überlebt.

00:17:43: Wir haben damals eine ganze Game Show oder eine ganze Show Offensive gestartet.

00:17:47: Es ging ein Ruckzuck und bitte lächeln gegen zeitgleich an den Start Und für beides wurde gecastet.

00:17:56: Ich bin, lass mich überlegen ich glaube ich bin zum Casting von Bitte Lächeln gar nicht hingegangen.

00:18:01: Ich war beim Casting vom Rückzug und hatte da auch eigentlich schon so ne kleine Zusage für bekommen Hat mich gefreut wie Bolle und kriegt aber ein paar Tage später einen Anruf.

00:18:13: Du pass mal auf, wir haben hier noch ein zweites Ding das heißt bitte lächeln Und davon haben wir schon zwei Sendungen aufgezeichnet.

00:18:20: Aber das geht so nicht da musst du einspringen.

00:18:25: Und dann habe ich ab der dritten sendung bitte lächeln gemacht

00:18:28: und damit war das thema ruckzug durch.

00:18:30: Damit war das Thema rückzugdurch und damit ging ein her dann später auch schwupps die Nachfolgesendung von bitte Lächeln.

00:18:36: wenn du viertausend sendungen Bitte lächel macht Wie wächst man in so ein Format rein?

00:18:42: Weil das ist ja dann so ein elementarer Lebensbestandteil.

00:18:45: Also

00:18:46: wie ist es denn?

00:18:47: Ich habe

00:18:47: auch gesagt, dass mache ich bis ich ins Gras beiße!

00:18:49: Oh und dort ist Spaß bei der Sache... Ich

00:18:51: hab' gesagt, das Format läuft sich nicht tot.

00:18:53: Das wird es immer geben.

00:18:54: Ich würde's auch morgen wieder anfangen.

00:18:56: Wir sind auch immer zwischendurch am... weil ich bin mit Martina Meningen meiner zweiten Co-Moderatorin nach wie vor sehr eng befreundet.

00:19:04: Wir sitzen immer wieder zusammen und sagen, das wäre so einfach.

00:19:08: Lass uns hier in die Ecke setzen mit einer kleinen Kamera!

00:19:12: Das kriegen wir am Internet hin.

00:19:13: Und ihr wart täglich dran?

00:19:14: Ja.

00:19:15: Wir

00:19:18: waren erst nur Montag bis Freitage.

00:19:21: Dann hat man sich gesagt, wieso eigentlich am Wochenende nicht... Oben dreien hat man dann gedacht, ja da machen wir doch am Wochenende noch eine und die machen wir dann weil es gerade so ein Spaß macht doppelt so lang.

00:19:33: Was denkst du denn in dem Moment?

00:19:35: Ich hab

00:19:35: nur gedacht toll!

00:19:36: Ja?

00:19:37: Kann's das cool?

00:19:37: Ich fand das geil.

00:19:39: ich war dann auch noch so blöd dass ich später dann auch gesagt habe Leute schaut doch mal bitte ZDF der Tommy der fährt im Sommer mit wetten das immer nach Mallorca.

00:19:48: wieso machen wir eigentlich im Sommer acht wochen den Laden dicht?

00:19:51: unsere Fans wollen doch auch unsere Sendung sehen Bloß weil die am Strand liegen, müssen wir doch nicht Pause machen.

00:19:57: Also haben wir das tatsächlich gemacht und sind ein Jahr nach Ibiza und Fuerteventura gefahren, flogen im Sommer... Geil!

00:20:03: ...und haben dort in Clubs bitte lächeln aufgezeichnet

00:20:06: Und es gab nie Probleme dass ihr genügend Home-Videos bekommt oder seid ihr da erstickt?

00:20:09: Nein!

00:20:10: Ohne Ende.

00:20:11: Wie sichtest du?

00:20:12: hast Du die selber gesichtet?

00:20:13: zum Tag?

00:20:13: Sächerweise

00:20:13: Neeh.

00:20:14: Wir hatten eine ganze Horde von Studenten Die sich den ganzen Tag diese Dinger angeschaut haben und ne Preselection gemacht haben

00:20:20: Das heißt, du musst ja erst mal gucken.

00:20:21: Sind das wirklich echte Videos?

00:20:23: Oder spielen die Leute nur einen Unfall in dem Sinn und so weiter?

00:20:28: wie findest denn das raus?

00:20:29: oder ist es auch egal weil's lustig ist?

00:20:31: Nein!

00:20:32: Es ist nicht egal.

00:20:33: wir haben extrem strenge Kriterien angelegt vor allen Dingen Martina und ich was dann diverse andere Sendungen damals nicht gemacht haben und heute schon gar nicht mehr machen leider.

00:20:44: Ich hatte damals selber zwei Kinder die relativ klein waren Und hab gesagt Jeder Film, bei dem ich das Gefühl habe dieses Kind hat sich wehgetan läuft bei mir nicht.

00:20:54: Das entscheidende Kriterium für mich war wirklich immer Ich will den Leuten Spaß machen Die haben...das Leben ist hart genug und die sollen sich abends hinsetzen können ein bisschen amüsieren dürfen.

00:21:02: ne Stunde lang

00:21:03: Ende twohundneinzeig verschluss mit telefünf aber Nicht weil der Sender zu wenig sondern zu viel Erfolg hatte.

00:21:13: Leo Kirch kaufte Teile des Senders Der damals eine ernstzunehmende Konkurrenz zu pro sieben war Und trotz steigender Marktanteile wurde aus Tele-Fünf am ersten, erster, in der wir das DSF haben.

00:21:24: Und wenn Tele-fünf so etwas wie der Underdog der Privaten in der Anfangszeit war, so ist der Sender um den es jetzt geht richtig schräg – Eureka TV!

00:21:33: Das ist der Vorgänger von ProSieben, war eine Mischung aus Telekaufhaus und Nachrichtenredaktion, von allem ein bisschen aber nichts richtig.

00:21:42: Der Mann, der damals bei Eurekar hinter dem Regiepult saß, ist Wolfgang Glanzenberger.

00:21:46: Den Job macht der Mann heute noch, dreißig Jahre später bei ProSieben.

00:22:21: Anzeigestellen, Anzeugen.

00:22:23: Bildrisch ist er gesucht und die E-Mails in der Zeitung stand.

00:22:26: Und ich kam dann zu eurekTV.

00:22:28: OurekTV hat da den Sendebesrieb aufgenommen... ...und mein Einstellungsgespräch das hat fünf Minuten gedauert.

00:22:36: Es war im Stehen zwischen lauter Kisten weil keiner hatte Zeit.

00:22:40: Weil dieser Sender war da glaube ich drei Tage alt dass ich da aufgeschlagen bin.. ..und dann haben die gesagt ja passt komm morgen schaue dir das mal an!

00:22:48: Und einen Tag später saß sich dann schon selber am Recipult.

00:23:03: Eure KTV war bis dahin nichts anderes als eine Baustelle im wörtlichen Sinne.

00:23:08: Der Sender wurde in München innerhalb von Tagen aus dem Boden gestampft und irgendwo zwischen Kisten und Kästen wurden Kabel gezogen, und Monitore aufgebaut.

00:23:16: Und auch das Programm darf man durchaus als Baustell bezeichnen – aber immerhin?

00:23:21: Das muss man positiv erwähnen!

00:23:22: Es wurde schon gesendet.

00:23:26: Ja es waren die merkwürdige Konstellationen und auch das Programmen war sehr zusammengestrickt.

00:23:32: Wir haben dann auch Tele-Shopping gemacht.

00:23:35: Ziemlich viel sogar,

00:23:36: ne?

00:23:37: Ja.

00:23:37: Eine meiner großen Tätigkeiten war den Quellekatalog zu verfilmen.

00:23:41: Der war so dick!

00:23:42: Wie lief das ab?

00:23:43: Das lief ab, dass wir die Produkte gehabt haben und wir haben die in eine Szene gesetzt mit Kompasen, Schauspielern

00:23:49: usw.,

00:23:50: im Freien, im Englischen Garten... Und wir hatten sogar eine Telefonzentrale, d.h.

00:23:55: das war alles in einem.

00:23:57: Auch dieser Keller, der Eureka Keller Das waren drei Räume.

00:24:01: Wo war denn der?

00:24:02: Der war in der Leopoldstraße, in einem Bürohaus unten in der Tiefgarage und war das untergebracht.

00:24:10: Das war der komplette Sender!

00:24:11: Wir hatten einen Regierer, wir hatten ein Studio, einen Matsraum noch einen Technikraum und dann im Büro wo die Aufnahmeleitung saß.

00:24:21: Und es war alles.

00:24:22: Und das war ja so, dass Eureka TV an der Schleißheimer Straße war.

00:24:25: Das Studium war in der Leopoldstraße und wir hatten dann so Motorradfahrer.

00:24:30: die hatten immer die Kassetten vorbeigebracht.

00:24:32: Das waren große Digi.

00:24:35: Beta gab's damals noch nicht?

00:24:36: Das war Umatik High Band.

00:24:40: Richtig große fette Oshis.

00:24:43: Dann gab es auch Motorradstaffeln, die ständig hin- und hergefahren sind.

00:24:48: EurekTV war für damalige Verhältnisse relativ groß.

00:24:51: Etwa zweihundert Menschen haben dort gearbeitet.

00:24:53: Und das war ambitioniert und kostete viel Geld.

00:24:56: Es liefen Automagazine, Kulturmagazine Frühstücksfernsehen Diskussionsrunden und ganz viele Teleshopping.

00:25:03: Das Problem war halt, wir hatten nur ein Studio.

00:25:06: Man musste immer sozusagen umrüsten wenn zwei oder drei Werbespots liefen von den Nachrichten auf den Talk.

00:25:14: Ich erinnere mich noch Peter Glotz damals SPD-Politiker war im Studio Und im Studio war eine derartige Hitze.

00:25:21: Wir hatten nämlich keine Klimaanlage, es war Sommer und der Nachrichtensprecher war mit Sacco, Krawatte, Hemd und Unterhose und ... mit Schrumpfsocken hat er die Nachrichten gelesen.

00:25:33: Dann saß aber schon Peter Klotz auf dem Talkset.

00:25:36: Die Nachrichten waren aus und er ging dann ganz selbstverständlich aus dem Studio raus in Unterhosen.

00:25:42: Dann kam das Interview mit Peter Klots.

00:25:44: Und dann?

00:25:45: Es war natürlich peinlich!

00:25:47: Wie hat denn Peter Glotz reagiert?

00:25:49: Der hat verdurts geschaut und dann war er schon ein Ehren.

00:25:56: Es waren Konsortium, da war glaube ich eine Kaufhauskette auch drin.

00:25:59: Dann diese Wartezimmer-Fernsehleute... Und es war natürlich schlecht gemanagt auch.

00:26:04: Also auch die Werbezeiten... Wir hatten glaube ich drei oder vier Werbesports, die liefen permanent.

00:26:11: Einer war von Vick den kann ich heute noch singen.

00:26:13: Ja

00:26:13: bitte!

00:26:14: Oder von Valentina.

00:26:17: Drei, vier Spots und die liefen permanent.

00:26:19: Das heißt man hat das auch ganz schlecht vermarktet irgendwo.

00:26:22: Und es war eine Spielwiese.

00:26:23: ich glaube da haben sich Leute ein Traum erfüllt... ...und haben gesagt wir machen jetzt Fernsehen weil es möglich ist.. ..und es waren aber keine Profis am Werk!

00:26:32: Wir waren ja auch noch keine Profi.

00:26:34: Aber das war die Chance!

00:26:35: Also finanziell ging's in die Hose?

00:26:37: Die haben glaube ich mit zwanzig Millionen Schulden sind die dann da badengegangen.

00:26:42: und dann kam Dromas Kirch oder sein Vater.

00:26:45: Leo Kirch hat den Peter Acker auf den Tisch gelegt und dann war das Pro Sieben.

00:26:49: Und pro Sieben war, glaube ich zwei Monate vorher vor Sendestart, war es erst pro sieben.

00:26:53: Wir wussten gar nicht... wir wussten, dass kommt was Neues!

00:26:55: Aber wir wusste natürlich nicht, dass es pro Siebem

00:26:57: wird.".

00:27:01: Die Co hatte schon gemerkt, dass hier ein neuer Wind weht.

00:27:04: Dr.

00:27:04: Georg Kofler wurde nun Senderchef von Eureka und war zuvor Assistent von Leo Kirch.

00:27:09: Hinter Eurika TV stand damals der Milliardär G.H.

00:27:12: Ackermann, Gründer der Allkaufkette, der nun Teile des Senders verkaufte – Der neue Miteigentümer?

00:27:18: Thomas Kirch, der Sohn von Leo-Kirch.

00:27:20: Dieser hätte neben Satz eins rechtlich keinen zweiten Sender mit Vollprogramm kontrollieren dürfen, dass seinen Sohn nur noch neunundvierzig Prozent an eure KTV gehörten, führte zwar zu Protesten aber diese verliefen im Sand.

00:27:32: Mit dem nie versiegenden Programmschat seines Vaters konnte Tomas Kirch den gescheiterten Sender Eureka TV neu als pro sieben

00:27:38: aufbauen.

00:27:42: Na ja bei Odecker war ein Anspruch da... ein eigener Fernsehsender zu sein, mit Aktualität und Nachrichten.

00:27:49: Mit Relevanz, sag ich mal... haben wir aber nicht geschafft.

00:27:53: Die Mittel war nicht da!

00:27:54: Mit den jaulen Matzen und mit allen Dingen, mit der schlechten Vermarktung.

00:27:59: Und bei ProSieben war es so, da war der Anspruch geringer.

00:28:02: Aber das war alles professioneller.

00:28:05: Und Anspruch ringer insofern, dass man viel Serien gezeigt hat oder Spielfilme.

00:28:10: Wir hatten im Studio gar nicht soviel gemacht, wir hatten Programmansagen.

00:28:14: Vielleicht gab's ja damals auch noch.

00:28:16: Das war total wichtig und die Frisuren der Moderatorinnen waren wichtig, die hießen bei uns nicht Anseigerin, sondern Moderatoren Und die waren sehr geschliffen.

00:28:24: das heißt da war ein Texter Ein promovierter Texter Der war Filmwissenschaftler, der hat sehr geschlifffene Anmoderationen geschrieben für die Filme, filmhistorisch.

00:28:32: Das war was Neues.

00:28:35: Warum war das so wichtig?

00:28:37: Naja aber der Spielfilm war ja sozusagen Kernstück dieses Senders, also der zwanzig über fünfzehn.

00:28:43: Film war unheimlich wichtig.

00:28:45: Wir haben da auch zum Beispiel diese Tanzfilme Flashdance und die ganzen Sachen, die früher im Kino liefen.

00:28:51: wir waren unheimlig stolz dass wir diese Filme hatten Saturday Night Fever und diesen ganzen Geschichten.

00:28:56: Wir machen dazu getanzt, ich renne mich an Szene wo die ganze Regie aufgesprungen ist und wir haben dann Saturday Nightfiver getanzt mit gesungen während der film lief.

00:29:04: Wir waren so stolz Nein!

00:29:06: Also wir haben uns ein bisschen auf diesen Eureka-Spirit, diesen Chaosspirit.

00:29:09: Wir haben uns etwas rüber gerettet natürlich zu ProSieben.

00:29:17: Dann sprechen wir doch über ProSieben.

00:29:19: Heute ist der Sender mit Sat.Eins in der proSieben-Sat.Einz-Media-SE verbunden.

00:29:23: Damals, neunzehntneunundachtzig befand er sich immer noch im Keller von Eurekatev und der Mann, der ProSiben am ersten ersten Neunzehnhundertneunachtzig auf Sendung geschaltet hat war Wolfgang Glanzenberger.

00:29:34: Und

00:29:34: wer hatten nicht geschlafen?

00:29:35: Weil wir haben durchgearbeitet die Nacht Und wir wussten gar nicht so genau wie diese erste Sendetage aussieht, wenn ich ehrlich bin.

00:29:42: Weil der Ablaufplan für diesen ersten Sendetag kam am ersten Sendentag und ich erinnere mich noch genau an das Stand drinnen Nachrichten.

00:29:54: Wir wussten es gibt irgendwie was Newsiges aber wir hatten auch keine Nachrichtentisch.

00:29:59: Dieser Nachrichtendisch kam dann zwei Stunden vor unseren Nachrichten, da war noch feucht Schreiner reingetragen und wir sahen das erste Mal diesen Nachrichtentisch.

00:30:10: Der Kameramann ist aus allen Wolken gefallen, weil es gespiegelt hat und was weiß ich... Und dann haben wir den Nachrichtenthisch eingeleuchtet und dann gab's auch die ProSieben-Nachrichten.

00:30:19: War von vornherein klar dass du den ersten Sendertag machst?

00:30:21: Ja!

00:30:22: Das heißt er kam Kofler zu dir und hat gesagt, du machst das oder...?

00:30:25: Koflar war permanent da, aber auch die Probentage vorher noch da.

00:30:29: Koflor war eine Vaterfigur, die immer um uns rum war und die auch verordentlich Druck gesorgt hat, aber er war sehr nett und sehr fürsorglich.

00:30:40: Und an diesem ersten Sendetag hat dann die Rede gehalten, so eine Stunde vor dem Sendebeginn und keiner hatte irgendwie Bock auf diese Rede weil es musste noch Tonstrippen mussten gezogen werden und das waren alles nicht so rund technisch.

00:30:58: dazu auf ins Studio zu kommen und er hat sich auch von der Bühnenkiste gestellt.

00:31:00: Ich sehe das noch heute vor mir, so eine kleine Bühnenkiste, so ein dreißig Zentimeter... Und hat davon gesprochen dass es heute ein großer Tages ist.

00:31:08: Wir hatten nur unsere Tonleitungen und Kameras die nicht gemetscht waren uns weiter im Blickfeld.

00:31:15: aber es war wirklich dann wirklich historisch und ich glaube jeder hat gespürt da beginnt was.

00:31:21: Aber ich habe mich natürlich nicht im Traum vorstellen können das entsteht, was da heute daraus entstanden ist.

00:31:26: Was hast du dir damals gedacht?

00:31:27: Wie groß wird denn das Privatfernsehen?

00:31:29: Ich dachte

00:31:30: wir sind so eine Nische!

00:31:31: Wir bleiben da und werden wachsen.

00:31:32: aber ich habe mir natürlich nie vorstellen können dass es ein riesen Konzern rauswird und dass sich da noch weitere vierunddreißig Jahre arbeiten werde.

00:31:41: Da sind wir bei einem Punkt.

00:31:42: Wir reden hier an dieser Stelle mit einem Mann.

00:31:44: Du bist der dienstälteste Mitarbeiter bei ProSieben den es gibt.

00:31:47: Ja,

00:31:47: ich denke schon ja.

00:31:49: Es ist interessant weil wenn du sagst diese Anzeige Bildregisseur gesucht Und das bestimmt den Rest seines Lebens, jetzt mal so ganz über einen Daumen gepeilt.

00:31:56: Absolut und

00:31:57: es war eine kleine Anzeige, also es war so...

00:31:59: Könnte man überlesen?

00:31:59: So

00:32:00: wie in Trümpelung, biet die in Trömpelungen an!

00:32:03: Das war wirklich so ein kleines Ding.

00:32:13: Die Technik ist auch immer wieder ausgefallen, wir haben spektakuläre Ausfälle gehabt und zum Beispiel naja das lag auch in diesem Bürohaus, dass dann irgendwann einmal überlastet war mit dem ganzen Licht was wir da unten hatten.

00:32:25: Und wenn zwei Aufzüge gleichzeitig gefahren sind in diesem Bürohaus, dann gab es bei uns Stromausfall.

00:32:32: Das war nicht bei Ordeka sondern bei ProSieben.

00:32:35: Was ist denn da?

00:32:36: Wir haben dann eine Kabeltrommel gehabt und ...

00:32:39: Von Leben aus geholt oder?

00:32:40: Ja,

00:32:40: wir haben dann irgendwo ein Stromquelle gehabt mit der Kabel-Trommel... Also das Spielfilm lief auf ProSiben.

00:32:47: Deutschlandweit.

00:32:48: Wir haben die Kabel Trommel ausgeräumt und haben dann wieder für Strom gesorgt.

00:32:52: Und der erste Film, der ohne Ehrgängen auf ProSieben – ich weiß leider den Titel nicht mehr.

00:32:56: Es war irgendwas Historisches Godzilla glaube ich war das oder irgendein ganz ganz alter Film – der lief zehn Minuten ohne Ton und du kannst dir vorstellen wie wir da gestrampelt sind.

00:33:05: also die erste Sendung war ohne Ton.

00:33:07: Wir sind aber immer noch im Kellerstudio?

00:33:09: Immer noch im Kellerstudium.

00:33:10: Hast du mal gedacht?

00:33:11: also ich bitte mal was anderes als Keller?

00:33:13: Naja, die Orniedergeschichte war ja.

00:33:16: wir sind dann neunzig nach Unterführling gezogen in ein ein lang gezogenes Gebäude, das mal eine Schnapsfabrik war und haben dann wieder im Keller angefangen.

00:33:27: Das heißt ich bin von Keller zu Keller gekommen aber ich war ja schon vertraut mit wenig Tageslicht und unser erstes, ich sage mal unsere erste richtige Studio war im Keller und auch die Regie daneben natürlich alles viel größer und viel interessanter.

00:33:42: und ja...

00:33:43: Hast du damit bekommen was aus Eureka eigentlich geworden ist?

00:33:46: Also sind sie dann einfach abgeschaltet worden oder...?

00:33:49: Ich hab's selber abgeschaltet.

00:34:00: Na ja, wir saßen erst mal wie die Vögel auf der Stange.

00:34:03: Wie sagt man so schön?

00:34:04: Wir waren ganz eng zusammen.

00:34:05: Du hast den Nachbarn gerochern und wir hatten hier auch einen schlecht durchlüfteten Raum.

00:34:11: Da war ein Bildmischer, da war eine Bildingenieur, einer von Tonen, Schriftgenerator, Promptor... So das sind die klassischen Funktionen.

00:34:22: Und ja, der Raum war dann schon voll gestopft eigentlich und dann über Stunden.

00:34:27: Wie würdest du den Spilwirt damals beschreiben?

00:34:29: Ich würde sagen Startup mentalität ist eigentlich zu wenig.

00:34:34: Es war Enthusiasmus von allen die da dabei waren und es war unsere Heimat.

00:34:39: Wir sind... wir haben immer gefeiert zusammen.

00:34:42: Also wir hatten so ein Wiener Café in der Sicht dass dieser österreichische Art Direktor hat uns auch einen Café gebaut.

00:34:48: Das hier ist Wienerkafé Und wenn wir fertig waren mit unseren Sendungen abends um elf, zwölf.

00:34:54: dann sind wir nicht nach Hause gefahren sondern war in diesem Café.

00:34:57: Da wurde Bildart gespielt.

00:34:58: das war eine Räucherbude sag ich mal.

00:35:01: die Pizza-Kartons haben sich gestapelt bis zur Decke und es gab Leute die hatten gar kein Zuhause.

00:35:06: die waren nur da.

00:35:08: War das der typische Zeitgeist?

00:35:09: Das war der Zeitgeest und wir haben nicht nur gefeidert, wir gingen auch baden.

00:35:13: Wir haben ja den Ferringersee irgendwie in der Nähe und zwischen den Nachrichten sind wir auch badengegangen im Sommer Mit Biergarten.

00:35:21: Du weißt, ich hab jetzt zwei Stunden Zeit kurz zum Verringersee einspringen?

00:35:25: Ganz genau.

00:35:25: Halbe

00:35:26: und dann zurück?

00:35:27: Ja.

00:35:28: Und die Spielfilme bei ProSieben hatten auch eine tolle Eigenschaft.

00:35:30: Die waren ja lang... ...und die waren meistens auf zwei Spulen, so neunzig Minuten, forty-fünf Minuten.

00:35:38: Wir sind eigentlich während der ersten Spielfilm lief.

00:35:40: Der erste Teil sind wir auch in die Kneipe gegangen.

00:35:43: Da gab es einen Franzosen!

00:35:45: Und einer musste genau auf die Uhr schauen und es war keiner in diesem Prosiebenkeller, sondern wir waren alle bei den Franzosen in der Kneipe.

00:35:52: Und sind dann so fünf Minuten vorher, sind alle gerannt, sind in den Keller runter haben die Werbung gefahren und sind wieder eine Kneipe!

00:36:05: Proseben war wohl einer der Privatsender, die am meisten von der Wiedervereinigung profitiert haben.

00:36:10: Der Sendestart im gleichen Jahr wie die Maueröffnung.

00:36:13: Fallende Grenzen und Freiheit jetzt auch im Fernsehen und es bestand Nachholbedarf in den neuen Bundesländern.

00:36:19: Und das am US-Programm ausgerichtete ProSieben konnte hier besonders stark punkten, unter Marktanteil von ProSieben kletterte Ende twohundertundneinzig auf acht Komma vier Prozent!

00:36:29: Also ich fühle mich jetzt mit meinen bei zweiundsechzig Jahren überhaupt nicht alt sondern wird sagen dass mich dieses Fernsehen unheimlich jung gehalten hat und agil auch und ist ein großer Schatz dass man auch das machen darf.

00:36:46: Ist das vielleicht genau der Trick, weil du täglich zu tun hast und im Live-Betrieb?

00:36:52: Dass er dich einfach fit hält.

00:36:55: Absolut!

00:36:55: Und du bist auch mit den Inhalten konfrontiert.

00:36:58: D.h.,

00:36:58: ich gehe nach Hause und kann dir sagen was die neuersten Taschen trennt.

00:37:02: Weil wir haben ein Taftrennt.

00:37:03: Kann ich dir sagen... Das weiß ich ja.

00:37:07: Was sagt die Frau dazu?

00:37:08: Ja, die hört sich das an.

00:37:11: Ich würde sagen des Fernsehens ist held unter mich junger.

00:37:16: Aus der Anfangszeit.

00:37:17: Eine letzte schöne Geschichte, die dir einfällt?

00:37:19: Die Premiere unserer ersten großen Nachrichtensendung... ...die unheimlich wichtig genommen wurde und wo alle da waren.

00:37:31: Wir haben so einen langen Gang in diesem Kellergebäude Und ich weiß noch, es standen alle da.

00:37:37: Es standen alles Spalier und die haben alle geklatscht.

00:37:41: Unsere ganze Regie-Cro und Studio-CRO ist nach vorne gegangen zu einem riesen Buffet und zum großen Fest.

00:37:47: Und ich weiß noch, ich bin nie irgendwie Spalier gelaufen oder so ... Das war ein ganz erhebender Moment, dass wir das geschafft hatten.

00:37:54: Insofern ist es schon eine große Familie.

00:37:56: Wir sind heute in Unterführung über dreitausend Leute.

00:37:59: Ich hab immer noch das Gefühl, das ist meine Familie.

00:38:14: Zapping for Freedom, ein Fajo Original.

00:38:30: Host Torbenstruck.

00:38:31: Gäste Mike Karl Wolfgang Glanzendagger entwickelt von Torbenstruck und Christoph Minardi.

00:38:37: Rekording & Schnitt Luca Feinweber Sebastian Muxeneder Sam Winter Jakob Jahrziner Leitung Postproduktion Stefan Gossen Produktionsleitung Melanie Graf produziert von Tommy Krabweis Nico Krabwais und Tristan Lehmann Gesamtleitung Fajo Luka Hirschfeldt und Tristan Lehmmann.

00:38:54: Zapping for Freedom ist ein Fire-Origine von Boomfilm.

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